Google-Unternehmensprofil für Anwälte: der unterschätzte Kanal
- Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil ist der schnellste Weg, lokal in Google gefunden zu werden – kostenlos und ohne technisches Vorwissen.
- Regelmäßige Beiträge, aktuelle Öffnungszeiten und echte Mandantenbewertungen erhöhen die Sichtbarkeit erheblich.
- Auch KI-Assistenten wie ChatGPT oder Google AI Overviews greifen auf öffentliche Profilinformationen zurück – ein gepflegtes Profil hilft, dort genannt zu werden.
Was ist ein Google-Unternehmensprofil – und warum ist es für Anwältinnen und Anwälte so relevant?
Das Google-Unternehmensprofil (früher: Google My Business) ist ein kostenloser Eintrag, den Google für Unternehmen und Kanzleien bereitstellt. Wenn jemand "Anwalt für Arbeitsrecht in Hamburg" oder "Scheidungsanwältin München" sucht, erscheinen zuerst keine normalen Websites – sondern eine Karte mit drei Einträgen, die sogenannte "Local Pack". Wer dort auftaucht, wird geklickt. Wer dort fehlt, existiert für viele Suchende schlicht nicht.
Genau das ist der Kern: Das Google-Unternehmensprofil für Anwälte entscheidet darüber, ob eine Kanzlei bei lokalen Suchanfragen überhaupt wahrgenommen wird – noch vor der eigenen Website, noch vor Anwaltsportalen, noch vor jeder Anzeige. Und dennoch behandeln viele Kanzleien dieses Profil wie ein Nebenprojekt: einmal angelegt, nie wieder angefasst.
Was genau sehen potenzielle Mandanten – und was suchen sie wirklich?
Wer Ihr Profil aufruft, sieht in Sekunden: Ihren Kanzleinamen, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen und einen Überblick Ihrer Tätigkeitsbereiche. Die meisten Menschen, die einen Anwalt suchen, sind unter Druck – Trennung, Kündigung, Erbstreit. Sie wollen schnell wissen: Ist diese Kanzlei nah? Ist sie erreichbar? Kann ich ihr vertrauen?
Ein vollständiges, gepflegtes Profil beantwortet genau diese Fragen – bevor jemand auch nur Ihre Website besucht hat. Ein leeres oder veraltetes Profil hingegen weckt Zweifel: Ist die Kanzlei noch aktiv? Stimmt die Nummer noch? Warum gibt es keine Bewertungen?
Die sieben Felder, die wirklich zählen
Nicht alles im Profil hat denselben Einfluss. Konzentrieren Sie sich auf diese Bereiche – in dieser Reihenfolge:
- Kanzleiname und Kategorie: Wählen Sie als Hauptkategorie "Rechtsanwalt" oder die passende Spezialisierung (z. B. "Fachanwalt für Familienrecht"). Verwenden Sie keine Werbebegriffe im Namen – das widerspricht den Google-Richtlinien und dem Berufsrecht.
- Adresse und Erreichbarkeit: Stellen Sie sicher, dass Adresse, Telefonnummer und Website überall identisch angegeben sind – auf dem Profil, auf Ihrer Website und in anderen Verzeichnissen. Abweichungen verwirren Google und potenzielle Mandanten gleichermaßen.
- Öffnungszeiten: Tragen Sie Ihre tatsächlichen Sprechzeiten ein – und aktualisieren Sie sie bei Urlaub oder Feiertagen. Nichts frustriert mehr als ein Anruf ins Leere.
- Beschreibungstext: Sie haben bis zu 750 Zeichen. Schreiben Sie klar, welche Mandate Sie übernehmen und für wen – ohne Erfolgsversprechen, ohne Superlative. Ein Beispiel: "Unsere Kanzlei berät Privatpersonen und Unternehmen im Bereich Arbeitsrecht und Mietrecht – von der ersten Einschätzung bis zur gerichtlichen Vertretung."
- Fotos: Ein Bild Ihrer Kanzlei von außen, ein professionelles Portraitfoto und – wenn vorhanden – ein Bild des Empfangsbereichs schaffen Vertrauen. Profile mit Fotos werden deutlich häufiger angeklickt als solche ohne.
- Leistungen und Fachgebiete: Google erlaubt es, Tätigkeitsschwerpunkte direkt einzutragen. Nutzen Sie das – es hilft, bei spezifischen Suchanfragen aufzutauchen.
- Beiträge: Ähnlich wie bei sozialen Netzwerken können Sie kurze Beiträge veröffentlichen – etwa zu einem neuen Urteil, einer Gesetzesänderung oder einer häufigen Mandantenfrage. Das zeigt Aktualität und Kompetenz.
Bewertungen: das heikelste und wirkungsvollste Element
Bewertungen sind der wichtigste Vertrauensfaktor im Google-Unternehmensprofil – und gleichzeitig das Feld, bei dem Anwältinnen und Anwälte am häufigsten zögern. Zu Recht: Das Berufsrecht schränkt Werbung ein. Gemäß § 43b BRAO ist anwaltliche Werbung erlaubt, solange sie sachlich ist und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist.
Das bedeutet: Sie dürfen Mandanten um eine Bewertung bitten – Sie dürfen sie aber nicht dazu drängen oder belohnen. Und Sie dürfen auf Bewertungen antworten, solange Sie dabei keine Mandatsdetails preisgeben. Eine kurze, sachliche Antwort wie "Vielen Dank für Ihr Feedback – wir freuen uns, dass wir helfen konnten" ist unproblematisch.
Wichtig: Reagieren Sie auch auf kritische Bewertungen – ruhig, sachlich und ohne Mandatsgeheimnisse zu lüften. Das zeigt professionelle Reife und wirkt oft überzeugender als zehn positive Bewertungen allein.
Mythos vs. Fakt: Was viele Kanzleien falsch glauben
| Verbreitete Annahme | Was tatsächlich stimmt |
|---|---|
| "Meine Website reicht – ein Google-Profil brauche ich nicht." | Google zeigt bei lokalen Suchanfragen zunächst Profile, nicht Websites. Ohne Profil sind Sie in diesem Bereich unsichtbar. |
| "Das Profil ist einmal eingerichtet und fertig." | Google bewertet Aktualität. Veraltete Öffnungszeiten, fehlende Beiträge oder unbeantwortete Bewertungen verschlechtern die Sichtbarkeit. |
| "Bewertungen anzufragen ist berufsrechtlich riskant." | Sachliche Bitte um eine Bewertung nach abgeschlossenem Mandat ist zulässig – solange kein Druck ausgeübt und keine Mandatsdetails genannt werden. |
| "Das bringt nur Privatmandanten – keine Unternehmensmandate." | Auch Geschäftsführer und Einkäufer googeln lokal nach Anwälten. Ein gutes Profil stärkt das Vertrauen vor jedem ersten Kontakt. |
| "KI-Assistenten schauen sowieso woanders nach." | KI-Systeme wie Google AI Overviews nutzen öffentlich zugängliche, strukturierte Informationen – ein vollständiges Profil erhöht die Chance, genannt zu werden. |
Warum KI-Assistenten Ihr Profil „lesen" – und was das für Sie bedeutet
Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen nicht mehr direkt in die Google-Suchmaske, sondern fragen KI-Assistenten wie ChatGPT, Perplexity oder Googles eigene KI-Zusammenfassungen (die sogenannten "AI Overviews" – also automatische Antworten, die Google direkt über den Suchergebnissen einblendet). Laut SISTRIX sind diese KI-Zusammenfassungen bereits bei einem relevanten Teil der Suchanfragen in Deutschland sichtbar – mit steigender Tendenz.
Diese KI-Systeme greifen auf öffentlich zugängliche, klar strukturierte Informationen zurück. Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil – mit konsistenter Adresse, eindeutiger Beschreibung der Tätigkeitsbereiche und aktuellen Informationen – ist genau das: eine saubere, leicht lesbare Informationsquelle. Kanzleien, die dort vollständige und widerspruchsfreie Angaben machen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, von solchen Systemen korrekt erfasst und weiterempfohlen zu werden.
Wie Sie diese KI-Sichtbarkeit strategisch ausbauen, erklärt unser weiterführender Artikel GEO für Anwälte – dort geht es um den gezielten Aufbau von Sichtbarkeit in KI-Antworten insgesamt.
Wie viel Aufwand ist das wirklich?
Einmalige Einrichtung und Verifizierung: etwa zwei Stunden. Danach reicht ein Rhythmus von einem Beitrag pro Monat und dem gelegentlichen Prüfen und Beantworten von Bewertungen – insgesamt vielleicht 30 Minuten im Monat. Das ist eine der effizientesten Marketing-Maßnahmen, die eine Kanzlei ohne Budget und ohne Agentur umsetzen kann.
Wer wissen möchte, wie gut seine Kanzlei aktuell in Google und bei KI-Assistenten aufgestellt ist, kann das mit einem kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check in wenigen Minuten herausfinden.
Checkliste: Ist Ihr Profil wirklich vollständig?
- Kanzleiname korrekt und ohne Werbebegriffe eingetragen
- Hauptkategorie passend gewählt (z. B. "Rechtsanwalt", "Fachanwalt für Strafrecht")
- Adresse, Telefon und Website identisch wie auf der eigenen Website
- Öffnungszeiten aktuell – auch Sonderzeiten bei Urlaub eingetragen
- Beschreibungstext ausgefüllt – sachlich, konkret, ohne Erfolgsversprechen
- Mindestens drei aktuelle Fotos hochgeladen (außen, Empfang, Portraitfoto)
- Tätigkeitsbereiche als Leistungen eingetragen
- Mindestens eine Bewertung vorhanden – und beantwortet
- In den letzten 60 Tagen mindestens ein Beitrag veröffentlicht
Kanzleien, die diese Punkte konsequent umsetzen, schaffen eine digitale Visitenkarte, die rund um die Uhr für sie arbeitet – sachlich, seriös und berufsrechtskonform. Das ist keine Frage des Budgets, sondern der Sorgfalt.
Häufige Fragen
Ist das Google-Unternehmensprofil für Anwälte kostenlos?
Ja, das Google-Unternehmensprofil ist vollständig kostenlos. Kanzleien können es unter business.google.com einrichten und verwalten – ohne Abo, ohne versteckte Kosten. Bezahlte Google-Anzeigen sind eine separate Option, aber keine Voraussetzung für das Profil.
Darf ich als Anwalt Mandanten um Google-Bewertungen bitten?
Ja, das ist berufsrechtlich zulässig, solange die Bitte sachlich erfolgt, kein Druck ausgeübt wird und keine Gegenleistung angeboten wird. Keine Mandatsdetails in Antworten nennen. Eine kurze, freundliche Bitte nach Abschluss eines Mandats ist unbedenklich.
Wie oft muss ich das Profil aktualisieren?
Öffnungszeiten und Kontaktdaten sollten stets aktuell sein. Für Beiträge empfiehlt sich ein
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