Kanzleizitiert
Wissen · Leitfaden · 5 Min. Lesezeit

Wird meine Kanzlei von ChatGPT empfohlen? Selbst testen

Kurz gesagt: Sie können heute selbst testen, ob ChatGPT Ihre Kanzlei empfiehlt: Stellen Sie der KI gezielt Fragen, wie Mandanten sie stellen würden. Taucht Ihr Name auf? Dann sind Sie sichtbar. Fehlen Sie? Dann zeigt dieser Artikel, woran das liegt und wie Sie es ändern.
Das Wichtigste in Kürze
  • ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews empfehlen Kanzleien auf Basis öffentlich verfügbarer Texte – wer dort fehlt, verliert künftig Mandantenanfragen.
  • Den Test kann jede Kanzleiinhaberin selbst durchführen: ohne Technikwissen, kostenlos, in unter 15 Minuten.
  • Sichtbarkeit in KI-Antworten entsteht nicht durch Glück, sondern durch klare, konsistente und gut verbreitete Informationen über Ihre Kanzlei im Netz.

Warum ChatGPT plötzlich entscheidet, welche Kanzlei angerufen wird

Immer mehr Menschen fragen nicht mehr bei Google nach einem Anwalt – sie fragen direkt eine KI. Sie tippen in ChatGPT, Perplexity oder den neuen KI-Antworten in Google: "Welcher Anwalt für Arbeitsrecht ist in Hamburg empfehlenswert?" Die KI antwortet sofort mit Namen, manchmal mit konkreten Kanzleien. Wer dort auftaucht, gewinnt. Wer fehlt, existiert für diesen potenziellen Mandanten schlicht nicht. Laut Bitkom nutzt bereits ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung KI-Assistenten regelmäßig für Informationssuchen – dieser Trend erfasst längst auch die Anwaltssuche.

Der entscheidende Punkt: Diese KI-Systeme erfinden ihre Antworten nicht. Sie werten aus, was über eine Kanzlei öffentlich im Netz steht – auf der eigenen Website, in Fachartikeln, in Branchenverzeichnissen, in Pressemitteilungen. Wer dort klar, konsistent und glaubwürdig beschrieben ist, wird genannt. Wer dünn oder widersprüchlich präsent ist, wird übergangen.

Bevor Sie irgendetwas an Ihrer Online-Präsenz verändern, sollten Sie wissen, wo Sie heute stehen. Dafür brauchen Sie keine Agentur und kein Technikwissen – nur einen Browser und zehn Minuten Zeit.

Der Selbsttest: So fragen Sie ChatGPT wie ein echter Mandant

Öffnen Sie ChatGPT (unter chat.openai.com, kostenloser Account genügt) und stellen Sie Fragen so, wie ein ratsuchender Mandant sie stellen würde – nicht wie ein Marketingprofi. Drei Testfragen, die Sie direkt eingeben können:

  1. Die Ortssuche: "Welche Kanzlei empfiehlst du mir für Familienrecht in [Ihre Stadt]?"
  2. Die Problemsuche: "Ich brauche einen Anwalt für meine Kündigung in [Ihre Stadt] – wen kannst du empfehlen?"
  3. Die Direktsuche: "Was weißt du über die Kanzlei [Ihr Kanzleiname]?"

Notieren Sie die Ergebnisse. Taucht Ihr Name auf? Werden Mitbewerber genannt, die Sie kennen? Beschreibt die KI Ihre Kanzlei korrekt – oder fehler- oder lückenhaft?

Den Test auf weitere KI-Assistenten ausweiten

ChatGPT ist nicht das einzige System, das Mandanten nutzen. Führen Sie denselben Test auch mit Perplexity (perplexity.ai) und – falls Sie ein Android-Gerät oder Chrome nutzen – mit Google Gemini durch. Außerdem lohnt eine Google-Suche nach Ihrem Rechtsgebiet und Ihrer Stadt: Erscheint ganz oben ein farbig hinterlegter KI-Antwortkasten? Das sind Googles sogenannte "AI Overviews" – automatisch generierte Zusammenfassungen, die Google aus Webinhalten erstellt. Laut SISTRIX erscheinen diese KI-Boxen bereits bei einem wachsenden Anteil aller Suchanfragen und verdrängen klassische Suchergebnisse zunehmend nach unten.

Was bedeuten die Ergebnisse konkret?

Was die KI antwortet Was das bedeutet Handlungsbedarf
Ihr Kanzleiname wird korrekt genannt Gute Datenbasis im Netz vorhanden Pflegen und ausbauen
Ihre Kanzlei wird genannt, aber mit falschen Infos Widersprüchliche Quellen im Netz Dringend korrigieren
Nur Mitbewerber werden genannt Diese sind online klarer und breiter präsent Sichtbarkeit systematisch aufbauen
KI nennt keine konkreten Kanzleien Zu wenig belastbare Quellen in der Region Lokale Präsenz stärken
KI weiß nichts über Ihre Kanzlei Nahezu keine verwertbaren Infos im Netz Grundlagen schaffen

Warum manche Kanzleien von der KI ignoriert werden

KI-Assistenten destillieren keine Geheiminformationen – sie lesen nur, was öffentlich zugänglich ist. Wenn Ihre Kanzlei trotz langjähriger Tätigkeit nicht empfohlen wird, liegt es fast immer an einem dieser vier Muster:

Mehr zum strategischen Hintergrund, wie KI-Assistenten Kanzleidaten bewerten und gewichten, lesen Sie in unserem ausführlichen Leitfaden: GEO für Anwälte.

Mythos: "Ich bin bei Google gut platziert – also findet mich auch die KI"

Leider nicht automatisch. Google-Rankings und KI-Empfehlungen hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Eine gute Google-Platzierung entsteht oft durch technische Faktoren oder viele Verlinkungen von anderen Seiten. KI-Assistenten hingegen bevorzugen Inhalte, die klar und direkt Fragen beantworten – am besten in vollständigen Sätzen, mit konkreten Angaben zu Ort, Spezialisierung und Erfahrung.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Kanzlei für Erbrecht rangiert bei Google auf Platz 1 für "Erbrecht München" – weil ihre Website technisch gut aufgebaut ist. Auf die ChatGPT-Frage "Welcher Anwalt hilft mir bei einem Erbstreit in München?" taucht sie nicht auf, weil die Website keine einzige erklärende Textpassage enthält, auf die die KI zurückgreifen könnte. Stattdessen wird eine Kanzlei empfohlen, die einen ausführlichen Ratgeberartikel zum Erbstreit veröffentlicht hat.

Was Sie konkret verbessern können – ohne Agentur

Wenn Ihr Selbsttest zeigt, dass Sie in KI-Antworten fehlen oder falsch dargestellt werden, gibt es vier Maßnahmen, die Sie selbst oder mit Ihrem Web-Dienstleister umsetzen können:

  1. Beschreiben Sie Ihre Kanzlei klar und vollständig auf Ihrer Website. Schreiben Sie für jedes Rechtsgebiet mindestens einen Absatz, der erklärt, welche konkreten Fälle Sie bearbeiten, für wen und in welcher Region. Formulieren Sie in ganzen Sätzen, nicht in Stichpunkten.
  2. Vereinheitlichen Sie alle Angaben im Netz. Name, Adresse, Telefonnummer und Tätigkeitsschwerpunkte müssen auf Ihrer Website, in Google-Unternehmensprofilen, in Anwaltsverzeichnissen wie anwalt.de oder dem örtlichen Anwaltverein identisch sein.
  3. Sorgen Sie für Erwähnungen durch Dritte. Ein Fachartikel in einer regionalen Zeitung, ein Eintrag beim Deutschen Anwaltverein, eine Nennung im Rahmen einer Kooperation mit einer Steuerberatungskanzlei – all das sind Signale, die KI-Systeme als Vertrauenshinweis werten.
  4. Beantworten Sie echte Mandantenfragen schriftlich. Schreiben Sie kurze, verständliche Beiträge auf Ihrer Website zu häufigen Fragen: "Was tun nach einer Kündigung?", "Wie läuft eine Scheidung ab?". Solche Texte werden von KI-Systemen bevorzugt zitiert, weil sie direkt verwertbare Antworten enthalten.

Beachten Sie dabei: Alle Inhalte müssen mit dem anwaltlichen Berufsrecht vereinbar sein. Sachliche Information ist erlaubt und erwünscht – § 43b BRAO erlaubt Anwaltswerbung, soweit sie nicht auf Mandate im Einzelfall abzielt und keine irreführenden Angaben enthält. Versprechen Sie keine Ergebnisse, keine Erfolgsquoten.

Wie oft sollten Sie den Test wiederholen?

KI-Assistenten aktualisieren ihre Wissensbasis nicht täglich – manche haben Wissensgrenzen von mehreren Monaten. Sinnvoll ist es, den Test alle drei bis vier Monate zu wiederholen und zusätzlich immer dann, wenn Sie größere Änderungen an Ihrer Website vorgenommen, einen neuen Tätigkeitsschwerpunkt aufgebaut oder Ihren Standort gewechselt haben.

Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Kanzlei heute konkret in den wichtigsten KI-Systemen aufgestellt ist, können Sie unseren kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check nutzen – wir analysieren Ihre Präsenz und zeigen Ihnen, wo der größte Hebel liegt.

Häufige Fragen

Wie teste ich, ob ChatGPT meine Kanzlei kennt?

Öffnen Sie chat.openai.com und fragen Sie: "Was weißt du über die Kanzlei [Ihr Name]?" und "Welche Anwälte für [Ihr Rechtsgebiet] gibt es in [Ihre Stadt]?" Erscheint Ihr Name in den Antworten, ist Ihre Kanzlei für ChatGPT sichtbar. Fehlen Sie, brauchen Sie mehr klare Informationen im Netz.

Warum empfiehlt ChatGPT meine Kanzlei nicht, obwohl ich bei Google gut ranke?

Google-Rankings und KI-Empfehlungen entstehen nach unterschiedlichen Regeln. KI-Assistenten bevorzugen Texte, die Fragen direkt und vollständig beantworten. Eine technisch optimierte Website ohne erklärende Inhalte wird von KI häufig ignoriert – auch wenn Google sie hoch einordnet.

Ist es berufsrechtlich erlaubt, Inhalte für KI-Sichtbarkeit zu optimieren?

Ja. Sachliche, informierende Texte über Ihre Kanzlei und Rechtsgebiete sind nach § 43b BRAO erlaubt. Unzulässig sind irreführende Ang

Danijela Jakimovska
Redaktionsleitung · Kanzleizitiert

Verantwortet die Inhalte von Kanzleizitiert und analysiert laufend, wie ChatGPT, Perplexity, Google Gemini und Claude Anwaltskanzleien empfehlen – und übersetzen das in berufsrechtskonforme, umsetzbare Schritte. Mehr über die Redaktion →

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